GEWÖHNUNG AN EINEN TIERARZTBESUCH


Kennt Ihr das Gefühl, wenn man einen Zahnarzttermin hat?  Die meisten Menschen bekommen schon bei dem Gedanken, ein flaues Gefühl im Magen. Ein anstehender Tierarzttermin löst leider bei einigen Hundehaltern ähnliche Gefühle aus. Die Nervosität von Frauchen oder Herrchen sorgen dann dafür, dass manch tapferem Held auf vier Pfoten das Herz in die sprichwörtliche Hose rutscht. Manche Hunde betreten die Tierarztpraxis zitternd und mit eingeklemmter Rute. Im Behandlungszimmer angekommen, findet der Stress nicht selten Ausdruck in Angstaggression  gegenüber dem Praxispersonal und dem Tierarzt. Um zu verstehen, warum eine Gewöhnung sprich Vorbereitung so wichtig ist, sollten wir das Ganze zunächst mal aus der Sicht unseres Hundes sehen, denn im Gegensatz zu uns sieht er ja nicht die Notwendigkeit dieses Besuches.                    

In der Praxis angekommen erwartet ihn eine fremde Umgebung, fremde Gerüche, mehr oder weniger nette Artgenossen, andere Tiere und die stetig steigende Nervosität des Halters. Die Behandlung selber ist dann für die meisten Hunde ein regelrechter „Übergriff“, sprich Kontrollverlust und steigert erneut den Stressfaktor. Strampelt der Hund wird er festgehalten, knurrt oder schnappt er bekommt er häufig einen Maulkorb und manchmal werden dem Hund auch Schmerzen zugefügt, um eine notwendige Behandlung durchzuführen. Aus Sicht des Hundes ist das alles einfach schrecklich. Schlimmer noch, ohne zu verstehen warum, werden seine Signale in Bezug auf Schmerz, Angst und Stress einfach ignoriert. Es sei denn, dass Frauchen oder Herrchen jetzt Mitleid zeigen und ihren Liebling bedauern, dann…ja dann….wird alles noch schlimmer.                                                                          

Der Tierarztbesuch sollte eigentlich die Ausnahme im Hundeleben darstellen, dennoch gibt es Intervalle, wo man den Hund vorstellen muss. Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen unterstützen schließlich die Gesundheit unserer Tiere. Grundsätzlich gilt, die Chemie muss stimmen. Ist mir der Tierarzt unsympathisch, kann er auch bei meinem Hund keinen Blumentopf gewinnen. Notfallbehandlungen lass ich hier mal außen vor. In den Hundecharts wird der Tierarztbesuch wohl nie Platz 1 erreichen, aber mit viel Ruhe, etwas Vorbereitung und ein paar Tricks kann man unseren Vierbeinern den Besuch in der Praxis angenehmer gestalten und so auch die eigenen Nerven schonen.

Wird ein Hund möglichst schon als Welpe kleineren Stresssituationen ausgesetzt, die er ERFOLGREICH bewerkstelligen kann, wird er zukünftig Probleme leichter und konstruktiver lösen können.                                                                                                 

Hat sich beim erwachsenen Hund, die Angst vorm Tierarzt bereits etabliert, kann man zur Beruhigung Bachblüten geben. Allerdings ist auch die beste Bachblüte kein Ersatz für einen entspannten, relaxten Hundehalter, der seinem Vierbeiner die nötige Sicherheit vermittelt.                                                                                                                       

Idealerweise ist gerade ein Hundekind bei Euch eingezogen und Ihr habt die Möglichkeit, den Welpen spielerisch daran zu gewöhnen, dass das Berühren und Abtasten von Pfoten, Ohren, Maul, Bauch und sonstigen Körperstellen nichts Bedrohliches darstellt. Viele Welpen entspannen dabei und genießen diese Berührungen und der Besitzer lernt ganz nebenbei, wie sich ein „gesunder Hund“ anfühlt. Veränderungen jeglicher Art können zukünftig schneller erkannt werden. Auch das Hochheben auf einen Tisch lässt sich zu Hause prima trainieren. Toleriert der Welpe diese Dinge wird er ausgiebig gelobt bzw. belohnt.                                        

Als nächstes vereinbart Ihr einen Termin beim Tierarzt Eurer Wahl zum ersten „Beschnuppern“. Die erste Vorstellung des gesunden Tieres beim Doc hat den Vorteil, dass man diese Begegnung besonders positiv gestalten kann. Leckerchen, Streicheleinheiten und der Umstand, dass die Untersuchung nicht weh tut, nehmen dem Hund viel von seiner Angst und Ihr legt einen perfekten Grundstein für den nächsten Besuch. Idealerweise wird Euer Hund zukünftig darauf vertrauen, dass alles letztlich doch nicht so schlimm werden wird.                                                            

Da Hundewelpen in der Regel ohnehin noch einmal geimpft und entwurmt werden müssen könnt Ihr direkt den Folgetermin vereinbaren. Feste Termine haben den Vorteil, dass Ihr Euren Lieblingen unnötige Wartezeiten in der Praxis erspart. Allerdings sind Tiere keine Maschinen und das Unvorhergesehene ist in der Tierarztpraxis Alltag. Also sollte es doch mal länger dauern, tief durchatmen und Ruhe bewahren. Wenn die Möglichkeit besteht, lasst den Hund lieber solang im Auto, anstatt sich mit ihm in ein überfülltes Wartezimmer zu quetschen und sinnlose Diskussionen mit den Haltern von „Der tut nix“, „Der will nur spielen“ und „Das hat er noch nie getan“, zu führen. Die letzte Spezies habe ich bei meinem letzten Besuch beim Tierarzt getroffen. Der Halter war fassungslos, als sein Rüde beim Verlassen der Praxis einen Stopp an der Rezeption einlegte und genüsslich den dort stehenden Blumenkübel anpinkelte. War wohl seine Art Tschüss zu sagen                                       

Wenn wir das Behandlungszimmer betreten, sollten wir dem Hund die nötige Zeit geben, die er braucht, um sich auf die neue Situation einzustellen. Vorausgesetzt natürlich, dass es sich um keinen Notfall handelt. Viele Hunde, besonders Ältere ziehen es vor, wenn sie nicht direkt, wenn sie den Raum betreten, im Fokus stehen.
So kann z.B. zunächst die Krankengeschichte durchgegangen und der Hund in Ruhe gelassen werden, anstatt sich direkt auf das Tier zu stürzen. Der Hund hat so die Chance sich an den Raum und die anwesenden Menschen zu gewöhnen. Nach der Behandlung solltet Ihr möglichst verhindern, dass Euer Vierbeiner panikartig die Praxis verlässt. So nach dem Motto „Puhhh, gerade noch geschafft“. Nicht nur dass es albern aussieht, wenn Ihr an der Rezeption vorbei fliegt, anstatt Eure Rechnung zu bezahlen, nein es ist auch kontraproduktiv für den nächsten Besuch. Einen Ort, den der Hund fluchtartig verlässt, wird er beim nächsten Mal nicht freudig betreten.

Letztendlich steht und fällt Alles mit Euch, denn Eure Emotionen übertragen sich auf den Hund. Seid einfach ein entspanntes Vorbild und dann klappt`s auch mit dem Tierarzt. 

Wir sind dafür verantwortlich, dass unsere Sabberschnuten körperlich und auch seelisch in guter Verfassung sind und bleiben.


In diesem Sinne Eure tiefenentspannte Petra